Projekt

Auf dem Bückeberg bei Hameln fanden zwischen 1933 und 1937 die Reichserntedankfeste statt. Auf das eigens hierfür errichtete Festgelände strömten laut Angaben der Organisatoren mehr als eine Million Besucher. Das Reichserntedankfest Anfang Oktober bildete ein zentrales Ereignis im nationalsozialistischen Festkalender. Die Stätte ist vergleichbar mit dem Reichparteitagsgelände in Nürnberg und dem Tempelhofer Feld in Berlin. Die staatlich organisierten Massenveranstaltungen an diesen Orten bildeten eines der wichtigsten sozialen und psychologischen Instrumente der nationalsozialistischen Diktatur.

Im Unterschied zu den genannten Versammlungsstätten in Nürnberg und Berlin ist der Bückeberg in der allgemeinen Bevölkerung in Deutschland nahezu völlig unbekannt. Selbst gebildete, geschichtsinteressierte Menschen wissen in der Regel weder über das Reichserntedankfest Bescheid noch wissen sie, dass es auf dem Bückeberg stattfand. Diese Wissenslücke wollen wir schließen!

Ohne ein Grundverständnis für und eine dauerhafte Erinnerung an derartige Ereignisse kann man die fatale Verführung einer Nation im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen. Und da reicht es nicht nur das Zeppelingelände in Nürnberg oder das Gauforum in Weimar als mahnende Orte der Erinnerung zu bewahren. Es ist enorm wichtig, auf die Gesamt-Reichs-Topografie derartiger Stätten zu verweisen, um die Logik einer NS-Propaganda-Maschinerie nachzuvollziehen. Diese betrieb mittels spektakulärer „Live-Events“ und deren medialer Inszenierung eine kulturelle Homogenisierung in verschiedenen Teilen des Reichs. Deswegen muss auch der Befund in Niedersachsen erhalten werden.

Der Bückeberg ist ein unbequemes Denkmal, also eines, das niemand haben will. Im Jahr 2011 konnte das Gelände nach langwierigen Verhandlungen mit den örtlichen Mandatsträgern als Denkmal ausgewiesen werden. Insbesondere Anwohner haben solchen Stätten gegenüber häufig Vorurteile. Oftmals wird daher lieber ein Abriss oder in unserem Fall eine Überbauung in Kauf genommen. Also lieber Einfamilienhäuser als geschichtsträchtige Orte?

Wir sagen „NEIN!“. Und deshalb drehen wir unseren Film. Unser Ziel ist es, die allgemeine Bevölkerung für unbequeme Denkmale am Beispiel des Bückebergs zu sensibilisieren. Sie können uns mit Ihrer Spende dabei helfen.

Die filmische Dokumentation mit einer Länge von 15 Minuten ist flexibel einsetzbar. Premiere ist am Tag des offenen Denkmals, 8. September 2013 passend zum Motto „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“. Details zu den Einsatzmöglichkeiten folgen. Wir befinden uns dahingehend noch in Verhandlungen.

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Eine Antwort zu Projekt

  1. Stefan Sanne schreibt:

    Nicht das Denkmal ist unbequem sondern das, woran es erinnern soll. Unbequemen Erinnerungen sollte man sich stellen – und dazu leistet dieses Projekt einen wichtigen Beitrag!

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